„Immer im Transit“ – Tibet

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Tibet

Von Lhasa aus fahren wir mit dem kleinen Reisebus über die unendlich weite Hochebene Tibets.

Mal sind es seicht geschwungene, grasüberzogene Hügel, dann wild zerklüftete Steinformationen – mal überwinden wir 5.000 Meter hohe Pässe, geschmückt mit flatternden Gebetsfahnen, dann begleiten wir in tiefen Tälern den Brahmaputra auf seinem Lauf nach Indien.

Über uns türmen sich im stahlblauen Himmel riesige, weiße Wolkenberge auf und sie scheinen so nah, als könnte ich mit der Hand hineingreifen. Dann wieder ist der Himmel dunkel zugezogen mit schweren Regenwolken und man sieht, wie sie hier und da ihre schwere Last in Schleiern auf die Erde abladen.

Eines frühen Morgens lichtet sich der Nebel und der Mount Everest steht in strahlender, weißer Schneepracht majestätisch vor uns. Ein anderes Mal offenbart sich nach einer Bergkuppe unvermittelt – in gar nicht weiter Entfernung – der heilige Mount Kailash – ohne Wolken, ohne Dunstfahnen – klar zu erkennen an seiner typischen Pyramidenform.

Mal fröstelt mich in der frühen Morgenkühle, wenn die Sonne sich noch versteckt – bald darauf ist es schon wohlig warm und ich kann meine Weste ausziehen – und noch etwas später knallt die Mittagssonne vom nahen Himmel heiß herunter, so dass ich die Schirmmütze tief ins Gesicht ziehen muss. Wenn schließlich die Abendsonne spät untergeht, sind am Horizont die Schneeberge des Himalaya in glühendes Rot getaucht.

Und immer und überall – bei all den wechselnden Naturerscheinungen – bin ich umfangen und geborgen in dieser grenzenlos weiten und unendlich tiefen Stille.